Chronik der Hennemühle

Die Hennemühle vor 100 Jahren

Im Sommer des Jahres 2010 hatte unser Hof Hennemühle sein 340jähriges Bestehen. Ein altes Schild hängt über der Eingangstür des Kinderhauses mit der Aufschrift "Erbaut 1670".

Mein Opa Fritz hat uns viel von der Geschichte des Hofes erzählt:Im 30jährigen Krieg wurde die Mühle zerstört, danach wieder aufgebaut und bekam den Namen Hennemühle. Vermutlich hat der damalige Besitzer .......

Die Hennemühle vor 100 JahrenHenne oder Heinrich (Henner) geheißen. Das Fachwerkgebäude ist aus Eichen-Kernholz erbaut, alles von Hand bearbeitet. Vor ca. 200 Jahren befand sich hier auch eine hervorragende Branntwein-Brennerei. Damals wurde der Liter für 40 Pfennige abgegeben. 

Großvater Fritz imkerfritz

Oberhalb unseres Hauses befindet sich ein Teilstück einer stillgelegten Bahnstrecke, die im 19. Jahrhundert zu Anfang der 70er Jahre unter großem Aufwand erbaut wurde. Das Büro dieser Unternehmung befand sich zu dieser Zeit in der Hennemühle. Der Hof ist seit 1892, seit fünf Generationen, im Besitz der Familie Kaiser. Mein Opa Fritz war Müller und Imker mit Leib und Seele. Ich erinnere mich an seine einfache, alte Kleidung, immer mit einer Mehlschicht bedeckt. Und ich erinnere mich an ihn, inmitten von Bienenschwärmen mit nur minimaler Schutzkleidung und wie ich ihm beim Schleudern des Honigs half.

Hochzeit der ElternMein Vater Heinz, aus Krieg und Gefangenschaft heil zurückgekehrt, übernahm wie vorgesehen als Ältester den Hof. Bald fand er seine liebe Frau Ilse aus dem Nachbardorf Welferode. Er hatte als Meldereiter die Liebe zu den Pferden mitgebracht und Mitte der Fünfziger Jahre hatte er schon die ersten beiden Fjordstuten. 

Erster Traktor MAN auf dem HofDie ersten Fjordstuten in den FünfzigernFrühzeitig hatte er auch einen Schlepper, mit dem er aber schwer verunglückte und schräges Land herunter-rollte. Sein Leben war ein schwerer Kampf, geprägt von einem starken und innovativen Überlebenswillen. Auch er führte die Mühle noch weiter, die er dann Ende der Sechziger stilllegte und großraümig zu Wohn- und Ferienräumen umbaute. Durch das sonntägliche Ponyreiten als allgemeines Ausflugsziel wurden meine Eltern bestärkt, Reiten, Reitunterricht mit Unterkunft und Verpflegung, also Reiterferien, anzubieten. 

Mein Vater steuert den Viererzug FjordiesDie ersten Ferienkinder Anfang der Siebziger

Die seit den Fünfziger Jahren mit Erfolg und Erfahrung von meinem Vater betriebene Fjordpferde-Zucht war der Grundbaustein für das Fjordgestüt und den Reiterhof Hennemühle. Seine große Liebe waren die Fjordpferde und die Highlights die Ponyfeste, die alle paar Jahre stattfanden, mit einem großen Schauprogramm und vielen Besuchern. Er selbst bot Tandem-Reiten und ein Kutschgespann mit 4 Pferden. Meine Schwester Elsbeth war maßgeblich an allem beteiligt und führt heute einen eigenen Reiterhof im Odenwald.

Anfang des Jahres 1999 haben meine Eltern Heinz und Ilse Kaiser den Hof an mich, Friedhelm Kaiser, übergeben. Mit meiner Frau Antje sind wir aus Hamburg hier her gezogen, um den Reiterhofbetrieb und die Landwirtschaft weiterzuführen. Der Hof ist durch einen zusätzlichen Neubau erweitert worden, in dem sich auch eine große Ferienwohnung für Familien befindet. Im 1. Stock war das Altenteil meiner Eltern und das Dachgeschoss haben wir inzwischen für uns selbst ausgebaut.

Leider sind meine Eltern im vergangenen Jahr 2010 beide verstorben. Meinen Vater konnten wir noch 7 Jahre Zuhause pflegen und mit dem bald darauf folgenden Tod meiner Mutter ist viel Liebe und Wärme, sowie eine große Stütze und Hilfe weg gegangen. Beide konnten Zuhause sterben, wie es ihr Wunsch war. Ich danke ihnen für ALLES, was mir gegeben haben.

Auch heute noch führen wir die Reiterferien weiter und betreiben Fjordpferde-Zucht. Immer wieder haben wir einige Fohlis von unserem jetzigen Hengst Jørn. Wir haben ein sehr liebevolles und engagiertes Team von Betreuer/innen. Manche Kinder, die jetzt zu uns kommen, sind schon der Nachwuchs von ehemaligen Ferienkindern.